4. Juni 2026
Liebe Seuzemerinnen und Seuzemer

Mut ist einer der grossen Begriffe unserer Zeit. Gleichzeitig wird er oft missverstanden. Viele verbinden damit Heldentum, Risikobereitschaft oder besonders spektakuläre Entscheidungen. Die Philosophie betrachtet Mut differenzierter. Bereits Aristoteles verstand Mut als Tugend zwischen zwei Extremen: zwischen Leichtsinn und Feigheit. Mut bedeutet nicht, keine Angst zu haben. Vielmehr zeigt sich Mut im verantwortungsvollen Umgang mit Unsicherheit, Widerstand und Risiken.

Die Philosophin Magdalena Hoffmann formuliert es in einem Beitrag im Magazin der LEADER treffend: Mut setzt gute Absichten, Urteilskraft und Faktentreue voraus. Wer bloss provoziert oder sich profilieren will, handelt nicht mutig. Mutig ist, wer Verantwortung übernimmt, auch wenn Entscheidungen unbequem sind.

Mit Blick auf die aktuelle Legislaturperiode, die am 30. Juni 2026 zu Ende geht, stellt sich deshalb die spannende Frage: Waren wir als Gemeinderat gemeinsam mit der Verwaltung und der Bevölkerung mutig?

Die Antwort darauf sollen letztlich Sie, die Einwohnerinnen und Einwohner von Seuzach, geben. Ich bin jedoch überzeugt, dass wir in den vergangenen vier Jahren bereit waren, wichtige und langfristige Themen aktiv anzugehen. Etwa mit dem Generationenprojekt «Rietacker» für unsere Schule. Oder mit der Gesamtrevision der Nutzungsplanung, bei der zentrale Fragen zur zukünftigen Entwicklung unseres Dorfes diskutiert wurden. Ebenso mit Investitionen in die Digitalisierung und Cybersicherheit sowie mit der Altersstrategie, aus der unter anderem die Fachstelle Alter hervorgegangen ist.

Nicht jede Debatte verlief mühelos oder konfliktfrei. Gerade darin zeigt sich aber demokratischer Mut: unterschiedliche Meinungen auszuhalten, Argumente ernst zu nehmen und gemeinsam Verantwortung zu übernehmen. Demokratie lebt nicht davon, dass alle immer einer Meinung sind. Sie lebt davon, dass Menschen bereit sind, sich konstruktiv einzubringen.

Mut ist keine Eigenschaft einzelner Heldinnen oder Helden. Er zeigt sich vielmehr im Alltag, beispielsweise in Sitzungen, bei Abstimmungen, in Vereinen, in der Verwaltung oder überall dort, wo Menschen Verantwortung für unser Gemeinwesen übernehmen.

Viele Projekte konnten in dieser Legislaturperiode nur umgesetzt werden, weil Verwaltung, Behörden, Vereine und Bevölkerung gemeinsam Verantwortung übernommen haben. Zukunft entsteht nicht einfach von selbst. Sie muss gestaltet werden. Und dafür braucht es Mut.

Nun freue ich mich, Sie am Montag, dem 8. Juni um 20 Uhr im Saal Zentrum Oberwis zur Gemeindeversammlung einzuladen, bevor wir am 14. Juni 2026 an der Urne über den Baukredit für das Generationenprojekt «Neubau Primarschulhaus Rietacker» abstimmen.

Ihr Gemeindepräsident
Manfred Leu

Manfred Leu